Angkor What?! oder Ameisen regieren die Welt

Sabai-dii alle zusammen! Schöne Grüße aus dem schönen Laos.

So schwer es uns gefallen ist, irgendwann mussten wir uns wieder auf die Reise begeben und Kambodscha verlassen. Wir haben aber den Beschluss gefasst, das Land in nicht zu ferner Zukunft wieder zu besuchen! Wir hatten hier die beste Zeit unserer bisherigen Reise, wozu auch die Erlebnisse der letzten eineinhalb Wochen beigetragen haben.

Anfang der Woche haben wir als „großartigen Höhepunkt einer jeden Südostasienreise“ (laut unserem Reiseführer) die alten Ruinen von Angkor bei Siem Reap besucht. Auch wenn die meisten von euch wahrscheinlich noch nie von ihnen gehört haben (wie auch wir vor Reiseantritt), spielen sie in der Größenordnung der alten Maya-Ruinen und sind sogar auf der Kambodschanischen Flagge verewigt. Auch wenn wir normalerweise nicht die „Ober-Tempel-Gucker“ sind, haben wir uns doch dazu entschlossen, uns ein 3-Tages-Ticket zu kaufen, um nicht durch die Anlagen hetzen zu müssen. Die Anlagen sind über mehr als 300 km² verstreut und noch nicht alle sind von Dschungel und Fliegerbomben befreit. Den ersten Tag bestritten wir aus finanziellen und sportlichen Gründen mit dem Fahrrad, für den zweiten Tag gönnten wir uns ein Tuk-Tuk, um auch weiter entfernte Tempel anschauen zu können. Auf halbem Weg fing das Tuk-Tuk dann an, rhythmische Klopfgeräusche von sich zu geben, was sich einige Kilometer später als platter Reifen entpuppte. Buddha sei Dank gibt es hier alle fünf Meter eine Werkstatt, sodass wir unsere Tempeltour bald wieder fortsetzen konnten.

Witzigerweise trafe wir in Siem Reap Sarah und Stefan, unsere österreichischen Freunde aus Ponsavanh in Laos wieder. Um uns als Sportskanonen zu beweisen, folgten wir ihrem Rat und besuchten am dritten Tempeltag eine 13km entfernte Ruinengruppe ebenfalls mit dem Rad, was O-Ton Sarah „ganz gemütlich“ sei. War es NICHT. Es war kein Fleckchen Schatten auf der gesamten Strecke, was sich in der Mittagshitze bei 36°C im nicht vorhandenen Schatten als leicht störend erwies. Die zwei Tempel am Ende der Strecke waren aber trotzdem schön.

Insgesamt waren die Tempelanlagen wirklich sehr beeindruckend und wir hatten sehr viel Spaß, wie ihr auf den Bildern unten bestimmt sehen könnt.

Drei Tage Tempel waren dann aber auch genug, soadass wir uns bald wieder zu unserem nächsten Ziel Ratanakiri im Nordosten des Landes aufmachten. Um die Monstertour nicht in einer laaaangen Busfahrt absolvieren zu müssen, machten wir einen Zwischenstopp in Kampong Cham, wo es nur ein Highlight gab: Unsere Duschbrause. Im laut Reiseführer angenehmsten Guest House der Stadt wurden im Bad seltsame Prioritäten gesetzt. Wir vermissten warmes Wasser, ein Waschbecken, einen Toilettenspülkasten und die Zimmerdecke (!). Dafür hatten wir aber eine Duschbrause mit LED-Leuchten, die die Wassertemperatur anzeigten. Luxus pur.

Die Provinzhauptstadt von Ratanakiri Banlung ist nur über eine staubige Piste zu erreichen und wird gerade erst zum Touristenmagneten. Unser supergünstiges Guesthouse war erst seit zwei Wochen geöffnet und noch nicht komplett fertiggestellt, sodass es statt LED-Dusche nun wieder einen Eimer und Kelle gab. Der Besitzer hatte eine ambivalente Haltung zu Reiseführern, die von „I’m not in the Lonely Planet but I don’t care“ bis zu „Please report me to the Lonely Planet if you like it“ reichte.

Ratanakiri ist für bekannt für seine Trekkingtrips und hat den größten Nationalpark Kambodschas, wo wir einen dreitägigen Dschungelspaziergang buchten. Am ersten Tag in Banlung mieteten wir uns jedoch zuerst Fahrräder und fuhren zu einem nahegelegenen Kratersee, der für die Lokalbevölkerung heilig ist und den wir uns darum ruhig und idyllisch vorstellten. Da jedoch am Vortag internationale Frauentag war, der den Kambodschanern drei Feiertage beschert, teilten wir uns den See mit einer Horde Schwimmwesten tragender und picknickender Kambodschaner. Der See war aber groß genug für uns alle.

Am nächsten Morgen ging es dann auf in den Dschungel. Zuerst ging es zum lokalen Markt um Proviant einzukaufen, wobei Oli fast auch Vegetarier geworden wäre. Der gesamte Proviant für die drei Tage in der Sonne (inklusive rohes Fleisch) wurde hier eingekauft und ungekühlt in den Rucksäcken verstaut. Es folgte eine eineinhalbstündige Motorradfahrt über eine Staubpiste in teilweise zentimetertiefem Sand, nach der wir eine Dusche wirklich dringend nötig gehabt hätten. Zum Glück hatte wir bei der darauffolgenden Bootsfahrt zum Virachay-Nationalpark die Gelegenheit, uns im Fluss abzukühlen. Den Rest des Tages verbrachten wir im Yon-Dorf, der letzten Siedlung vor dem Nationalpark. Hier wurden wir wie Gäste aufgenommen und verbrachten den Abend mit einigen Männern aus dem Dorf. Dank einer Ampulle Reiswein und einem Kartenspiel verstanden wir uns trotz Sprachbarriere sehr gut und Oli konnte mit seinen phänomenalen Kartentricks wieder mal mächtig Eindruck schinden. Nach einer ersten ungewöhnlichen Nacht in einer US-Army-Hängematte (wir vermuten noch aus Vietnamkriegszeiten) ging es am nächsten Morgen zusammen mit dem Hawaiianer Kevin, unserem Guide Sou und dem Dorfvorsteher Bat ab in den Dschungel. An dieser Stelle hätten wir stutzig werden müssen, denn Sou trug diesmal nicht die obligatorischen Flipflops, sondern richtige Wanderschuhe. Der Trip führte diesmal nicht über ausgelatschte Wanderwege, sondern quer durchs Dschungeldickicht, wobei uns unsere Guides mit der Machete mehr oder weniger einen Weg bahnten. So lernten wir den Dschungel hautnah kennen, hauptsächlich in der Form von fiesen Dornen, tückischen Stolperfallen und riiiiiesigen roten Ameisen. Nach siebenstündigem Fußmarsch erreichten wir unseren Lagerplatz, wo wir wieder unsere Hängematten aufspannten. Im Dschungel wird es nach Sonnenuntergang sehr schnell sehr dunkel und auch sonst gibt nicht viel zu tun außer den Sternenhimmel zu bewundern, was einem aber von den Ameisen schnell verleidet wird. Friedlich und idyllisch ruhig ist es übrigens auch nicht, denn die Lautstärke der Geräuschkulisse ist vergleichbar mit einer vielbefahrenen Straße. Nachts die Hängematte zu verlassen ist übrigens auch nicht empfehlenswert, da die Ameisen ihr Territorium sofort mit Säureattacken verteidigen. Ja, die Ameisen haben uns wirklich gequält. Vor allem Marisa.

Kurz nach Sonnenaufgang und einem nahrhaften Reis-mit-Fisch-Frühstück ging es zurück ins Yon-Dorf und von dort aus wieder nach Banlung. Der Trek war wirklich ein einmaliges Erlebnis und sehr empfehlenswert.

Auf dem Trek lernten wir übrigens, dass Ratanakiri die Provinz ist, aus der die leckeren Cashewkerne kommen. Auf dem Weg passierten wir unzählige Plantagen. Die reifen Früchte haben die Form einer Paprika, schmecken aber nicht wirklich.

Am nächsten Morgen brachen wir nach Pakse in Laos auf, wobei die Fahrt bis zur laotischen Grenze sehr unspektakulär verlief. Als einzige Reisende nach Pakse sollten wir die Grenze zu Fuß überqueren und dort auf den Anschlussbus warten, der voraussichtlich anderthalb Stunden später kommen sollte. Solange konnte wir den laotischen Grenzposten bei ihrer Hauptbeschäftigung, dem Boule spielen, zusehen, in dem sie offensichtlich sehr geübt waren. Als es drei Stunden später langsam zu dämmern begann und immer noch kein Bus gekommen war, wurden wir langsam unruhig und versuchten, die auf unserem Ticket angegebenen Telefonnummern zu erreichen. Laut der netten Bandansage waren aber alle Nummern zur Zeit nicht erreichbar und auch sonst wusste am Grenzposten keiner über unsere Busgesellschaft Bescheid. Um die Nacht nicht im Freien verbringen zu müssen, stiegen wir in den nächsten passierenden Bus und bezahlten den restlichen Weg doppelt. Wie wir später erfuhren, passiert so etwas häufiger bei grenzüberschreitenden Busfahrten.

Jetzt sind wir in Pakse, der drittgrößten Stadt Laos und planen einen Ausflug auf das nahegelegene Bolavenplateau, das unter anderem für seinen Kaffee bekannt ist. Übermorgen wollen wir aber schon wieder nach Thailand aufbrechen, wo wir die letzten zwei Wochen unserer Reise verbringen wollen.

Auf bald, Oli und Marisa

Angkor Wat

 

Sonnenuntergang in der Tempelstadt

 

Marisa als Apsara

 

Überwachsene Ruine im Dschungeltempel, auch „Tomb Raider Tempel“

 

Oli bei ausführlicher Tempelerkundung

 

Luxusbadezimmer (man beachte die LED-Duschbrause)

 

Reiswein Trinken im Yon-Dorf

 

Dschungelcamp

 

Cashew-Frucht

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