Kjuus mii…!

Quizfrage zum Einstieg: Wie viele Menschen passen in einen Van mit 15 Sitzen?

a) 15 b) 20 c) 25 d) 30

Auflöung folgt.

Guten Morgen allerseits,

für alle, die unseren ersten Blogeintrag nicht aufmerksam gelesen haben: Die Zeitverschiebung zu Deutschland beträgt sechs Stunden. Während ihr also noch in euren Betten schlummert, genießen wir schon unsere Fruchtplatte.

Nachdem wir im letzten Eintrag ja ein bisschen besorgt waren, ob die vietnamesischen Schlafbussen nun wirklich bequemer sein würden, müssen wir sagen: Es gibt sich nichts. Wenn das Bett die ganze Zeit von Schlagloch zu Schlagloch geschleift wird, kann der Bus auch noch so neu sein. Bequem ist anders.

Unsere nächste Station war Hue, das die Verbotene Purpurne Stadt als Zentrum hat, ehemals Sitz des Kaisers. Die schöne, weitläufige Anlage läd zum Flanieren ein und die typischen asiatischen Dächer sehen wirklich aus wie im Computerspiel Der letzte Kaiser! Da die Kaiser auch nur Menschen waren und irgendwann zwangsläufig das Zeitliche gesegnet haben, gibt es in der Gegend um Hue prächtige Grabanlagen, natürlich strikt nach Feng Shui erbaut.

In unserem Reiseführer sah es so aus, als lägen die Anlagen alle außerhalb der Stadt, also mieteten wir uns Fahrräder und machten uns auf den Weg. Nach drei Kilometern dämmerte uns, dass Hue vielleicht doch etwas größer sein könnte als gedacht, denn der städtische Verkehr wollte nicht enden. Doch die Fahrt war es wert, denn besonders die bescheidenen Grabanlagen des melancholischen Kaisers/Poeten Tu Duc waren wirklich imposant.

Um doch ein bisschen von der Umgebung zu sehen, beschlossen wir, noch eine etwas größere Runde mit dem Rad zu drehen. Als dann 50m hinter den Grabstätten die geteerte Straße einfach aufhörte und ein Feldweg weiterführte, waren wir doch etwas überrascht, ließen uns von diesen Widrigkeiten aber nicht abhalten. Immerhin hatten wir EIN Mountainbike. Da sich unser Reiseführer nicht als die zuverlässigste Kartenquelle herausstellte, musste wir öfters nicht-englischsprachige Vietnamesen um Rat fragen, die uns sicher wieder nach Hue zurückführten.

Hue liegt in Zentralvietnam nahe der ehemaligen Grenze von Nord- und Südvietnam. Dort wurde vor dem Vietnamkrieg ein 10km breiter Streifen als Demilitarisierte Zone (DMZ) ausgewiesen, wo ironischerweise die meisten Gefechte stattfanden und Bomben abgeworfen wurden.

Wir entschlossen uns, eine von einem Kriegsveteranen geführte Tour in dieses Gebiet zu unternehmen. Er kämpfte damals auf der Seite der Amerikaner, im heutigen vietnamesischen Sinne der falschen Seite. Seine Erzählungen über Zustände im Krieg und sein Leben nach dem Krieg waren sehr eindrücklich. Auch beeindruckend waren die unterirdischen Tunnelsysteme, in denen ganze Dörfer vier Jahren lang aus Angst vor Bomben lebten.

Für unsere Weiterfahrt nach Hoi An organisierten wir uns eine Motorradtour. Unsere Fahrer Hai und Mr. #10 machten ihre Sache sehr gut und kannten einige gute Aussichtsplätze für hinreißende Panoramafotos. Wir fuhren über einen Pass, der laut Reisführer die natürliche Grenze zwischen Nord- und Südvietnam darstellt und angeblich als Wetterscheide wirkt. Unsere Hoffnung, hier das aus China nach Süden ziehende kalte Wetter abzuschüttln, war also nicht ganz unbegründet.

Ob nun der Klimawandel schuld ist, oder schlechtes Karma, auf jeden Fall regnete es in Hoi An stärker als in Hue.

Das Städtchen Hoi An wird oft als Highlight einer Vietnamreise gepriesen, da es die letzten 100 Jahre anscheinend unverändert überdauert hat und durch seine verkehrsberuhigte Altstadt mit vielen asientypischen Lampions sehr beschaulich wirkt. Beim abendlichen Bummel durch die verregneten Gassen fragten wir uns jedoch ernsthaft, wo zwischen den unzähligen Schneidereien und Lampiongeschäften eigentlich die 800 Häuser stehen sollten, die zum Weltkulturerbe erklärt wurden.

Da Dösen am Strand also wiedermal flach fiel, nutzten wir die zwei Tage in Hoi An, um uns einen Anzug (Oli) und einen Blazer (Marisa) maßschneidern zu lassen. Klingt vielleicht ein bisschen dekadent, aber wir schleppen die Sachen zur Buße auch noch sechs Wochen mit uns rum ;).

Da der Sonne-und-Strand-Entzug mit jedem Tag größer wurde, entschlossen wir uns, einen weiteren 500km-Sprung nach Süden zu unternehmen. Diesmal wollten wir uns die Nachtfahrt ersparen und nahmen deshalb einen Bus um 6Uhr morgens, der uns in 12h nach Na Trang bringen sollte, das, wie sich später herausstellte, ein Badeparadies für Russen ist.

Die Fahrt begann unspektakulär in einem 12-Sitzer-Minivan mit einer gemischten Gruppe aus Touristen und Einheimischen. Nach einige Stunden, hielten wir plötzlich, unser Gepäck wurde ausgeladen und ohne Kommentar mit uns beiden zusammen in einen anderen Minivan verfrachtet.

Jetzt ging das Abenteuer richtig los: Die 15 Sitze des Vans füllten sich immer schneller mit Vietnamesen, von denen keiner, nicht einmal der Fahrer englisch sprach. Dementsprechend waren wir wieder einmal Kuriositäten, die angestarrt und an Händen und im Gesicht angefasst wurden. Unsere nicht zu verachtende Bräune wurde natürlich nicht gewürdigt, sondern schlicht als „weiß“ abgetan, was hier in Südostasien jedoch als Schönheitsideal gilt.

Berührungsängste durfte man in diesem Van sowieso nicht entwickeln, da wir schon beim Losfahren 24 Leute auf 15 Sitzen waren. Wie wir feststellten, fungieren diese Minivans hier als eine Art Linienbusse, die immer wieder Leute am Wegrand aufgabeln und gegen Entgelt an ihrem Wunschort absetzen.

Bei der Mittagspause behinderten uns unsere mangelnden Vietnamesischkenntnisse wieder einmal, doch mit Hilfe unseres Reiseführers stammelten wir gekonnt die Worte „Reis“ und „Gemüse“, was uns den Genuss von Hühnerbeinen ersparte.

Nachdem die Anzahl an Mitreisenden bisher zwischen 18 und 25 schwankte, tauchte vor uns plötzlich ein Minivan auf, der eine Panne zu haben schien. Da wir ja noch mehr als genug Platz für die Gestrandeten hatten, nahmen wir großzügigerweise alle auf, sodass sich am Ende 32 Menschen auf 15 Sitze quetschten. Quizfrage gelöst.

Diese Fahrt war wirklich eine tolle Erfahrung abseits der Touristenpfade. Vor allem unsere Sitznachbarin war sehr nett. Immer wieder versuchte sie ein Gespräch mit uns zu beginnen und am Ende teilten wir sogar unsere Kekse.

Trotzdem gab es auch bei dieser Fahrt eine Schattenseite, wie wir sie schon oft in Vietnam erlebten. Deutlich stärker als in Thailand und Laos hat man hier das Gefühl, als Tourist diskriminiert und ständig verarscht zu werden. Wer etwas zu verkaufen hat, ist sehr aufdringlich und oft nur solange freundlich, bis das Geschäft über die Bühne ist. Inzwischen haben wir aufgehört, auf das von überall her gerufene: „Kjuus mii. Where are you from?“ zu reagieren. Ständig beschleicht einen das Gefühl, über den Tisch gezogen zu werden.

Speziell bei unserer Busfahrt wurden wir nicht wie alle anderen Mitreisenden am Wunschort rausgelassen, sondern ca. 4km vom Zentrum entfernt in einem Vorort an einem Motorrad-Taxistand aus dem Bus geschmissen. Bevor wir reagieren konnten, war unser Gepäck ausgeladen, sodass uns keine andere Möglichkeit blieb, als auszusteigen. Genervt ignorierten wir die Fahrer, die uns weißmachen wollten, es wären 25km zum Zentrum und machten uns zu Fuß auf den Weg. Hätten wir diesen Artikel auf unserem einstündigen Fußmarsch verfasst, wäre er um einiges vulgärer ausgefallen…

Da wir nun erstmal genug von der vietnamesischen „Kultur“ haben, bleiben wir ein paar Tage im Touristenort Na Trang und legen uns unter bewölktem Himmel ans Meer.

Liebe Grüße, Oli und Marisa

Eingangstor zur Verbotenen Purpurnen Stadt

 

Immer präsentes Reisfeldpanorama

 

Impressionen der Fahrradtour

 

Standardmäßig beladener Rollerfahrer

 

Panorama hinter dem Wolkenpass

 

Verregnetes Hoi An

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